Vorausschauende Liquiditätssteuerung für Sparkassen: Potenziale einer NSFR-Simulation für die Praxis
Die Net Stable Funding Ratio (NSFR) ist eine zentrale strukturelle Liquiditätskennzahl, die die langfristige Ausrichtung der Bankbilanz in den Fokus rückt. Im Rahmen des ICAAP und ILAAP ist sie nicht nur eine aufsichtliche Anforderung, sondern stellt ein wesentliches Instrument für die betriebswirtschaftliche Steuerung dar.
In der Praxis stellt sich oft die Herausforderung, die NSFR adäquat in die Mehrjahresplanung zu integrieren. Eine rein reaktive Betrachtung der aktuellen Meldewerte reicht nicht aus, um Handlungsnotwendigkeiten frühzeitig zu erkennen und die Einhaltung der Kennzahl auch unter adversen Szenarien zu gewährleisten.
Strukturelle Liquiditätsquote: Simulation und Analyse der NSFR im Rahmen des ICAAP/ILAAP
Strategische Integration in die Liquiditätsplanung
Die NSFR sollte als fester Bestandteil in die Gesamtbankplanung und die Liquiditätsplanung integriert werden. Da es sich um eine tendenziell träge Kennzahl handelt, gilt es, sie langfristig zu steuern, um die Stabilität der Refinanzierungsstruktur zu sichern.
Durch die Einbeziehung von NSFR-Prognosen in die Mehrjahresplanung können Institute sicherstellen, dass die Einhaltung der regulatorischen Anforderungen auch unter Berücksichtigung verschiedener Szenarien (Basis-, adverses und Stressszenario) gewährleistet bleibt. Die Ergebnisse dieser Prognosen sind zudem ein integraler Bestandteil des Gesamtrisikoberichts und bieten eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Banksteuerung.
Szenariobasierte Analyse und methodische Umsetzung
Die Simulation der NSFR basiert auf der Verwendung eigener Planwerte aus der Gesamtbankplanung. Dies ermöglicht es, Risikotreiber zu identifizieren und darauf basierend Sensitivitätsanalysen durchzuführen und gezielte Steuerungsimpulse abzuleiten.
Methodisch erfolgt die Umsetzung durch ein systematisches Vorgehen:
- Datenbasis: Nutzung der Ergebnisse der Gesamtbankplanung (Istbestand, Gesamtbestand und Neugeschäft) aus GBS.
- Mapping: Standardisiertes Mapping der Positionen auf die regulatorischen Meldeaggregate (gem. den Bögen C80, C81 und C84) mittels IDH-R Abfrage.
- Simulation: Durchführung der Simulation der Meldewerte auf Grundlage der Plandaten in einer monatlichen Rasterung.
- Fortschreibung: Methodische Fortschreibung von Meldewerten, die nicht direkt durch die Planung abgedeckt werden können.
Ein wesentlicher Vorteil dieses Ansatzes ist die Verwendung einer rein formelbasierten Unterstützungshilfe in Excel. Dies gewährleistet die Nachvollziehbarkeit der Formeln über die Oberfläche und vermeidet komplexe Strukturen oder Sicherheitsrisiken durch die Verwendung von Makros mittels Visual Basic.
Fazit und Handlungsfelder für die Praxis
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine NSFR-Simulation weit über die reine Erfüllung aufsichtlicher Anforderungen hinausgeht. Sie dient als wertvolles Instrument zur frühzeitigen Identifizierung von Handlungsbedarfen und unterstützt die strategische Ausrichtung der Liquiditätssteuerung.
Für die Praxis ergeben sich daraus folgende Prüffragen:
- Sind die NSFR-Prognosen fest in die Mehrjahresplanung und den Gesamtrisikobericht integriert?
- Werden in der Liquiditätsplanung explizit adverse Szenarien für die NSFR abgebildet?
- Ist das Mapping der internen Planwerte auf die regulatorischen Meldezeilen (C80, C81, C84) ausreichend detailliert?
Für die Implementierung einer excelbasierten Unterstützungshilfe zur Simulation der NSFR – inklusive Testfalldokumentation, Fach-/DV-Konzept und Handbuch – steht CP BAP gerne beratend zur Verfügung. Die Umsetzung kann im Rahmen eines gemeinsamen Termins unter Einbeziehung von Daten aus GBS und dem IDH-R erfolgen.