AI Camp 2026: Von einzelnen KI-Anwendungen zu vernetzten Arbeitsprozessen
Wie verändert sich der Einsatz künstlicher Intelligenz in Genossenschaftsbanken, wenn aus einzelnen Anwendungen zunehmend verknüpfte Arbeitsabläufe und eigenständig agierende KI-Systeme werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Fach- und Führungskräfte beim AI Camp by CP BAP am 7. und 8. Oktober 2026 in Ahlen. Im Mittelpunkt standen aktuelle KI-Werkzeuge, neue Formen der Zusammenarbeit und die praktische Erprobung konkreter Anwendungsfälle.
Während beim AI-WinterCamp 2025 vor allem die strategischen und organisatorischen Voraussetzungen für den KI-Einsatz diskutiert wurden, rückte 2026 die praktische Integration von KI in den Arbeitsalltag stärker in den Vordergrund. Zwei Tage lang bot das AI Camp Raum für fachliche Impulse, Erfahrungsaustausch und gemeinsame Arbeit an konkreten Fragestellungen.
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KI im Arbeitsalltag: Was leisten die Werkzeuge bereits?
Mit Microsoft 365 Copilot stand zunächst ein Werkzeug im Fokus, das unmittelbar an bestehende Arbeitsumgebungen anknüpft. Diskutiert wurden Einsatzmöglichkeiten, praktische Erfahrungen und Voraussetzungen für einen sinnvollen Einsatz im Bankalltag.
Dabei ging es nicht allein um die Unterstützung einzelner Tätigkeiten. Eine weiterführende Perspektive eröffnet sich dort, wo KI-Anwendungen mehrere Arbeitsschritte miteinander verbinden. Anhand von Praxisbeispielen mit Langdock wurde gezeigt, wie sich KI-Workflows aufbauen und in bestehende Abläufe integrieren lassen.
Der Übergang von einzelnen KI-gestützten Aufgaben zu verknüpften Prozessen wirft neue Fragen auf: Welche Tätigkeiten lassen sich sinnvoll automatisieren? Wie müssen Abläufe dafür gestaltet sein? Und an welchen Stellen bleiben menschliche Entscheidungen und Kontrollen erforderlich?
Agentic AI: Wenn KI mehr als einzelne Aufgaben übernimmt
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Entwicklung agentischer KI-Systeme. Anders als klassische KI-Assistenten, die vor allem auf einzelne Anfragen reagieren, können agentische Systeme komplexere Aufgaben in mehreren Schritten bearbeiten und dabei unterschiedliche Werkzeuge einbeziehen.
Anhand von ChatGPT Codex und Work erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die praktische Arbeit mit agentischer KI. Der Austausch bot Gelegenheit, mögliche Einsatzfelder zu diskutieren und Erfahrungen aus dem eigenen Arbeitsumfeld einzubringen.
Mit diesen Möglichkeiten verändert sich auch die Frage nach dem Einsatz von KI: Neben der Qualität einzelner Ergebnisse rücken die Gestaltung und Steuerung KI-gestützter Arbeitsabläufe stärker in den Mittelpunkt.
Führung und persönliche Arbeitsorganisation neu denken
Die Weiterentwicklung der KI-Technologie betrifft nicht nur Prozesse, sondern auch die Art, wie Menschen arbeiten und zusammenarbeiten.
Ein Impuls zur Veränderung von Führung durch KI beleuchtete die Auswirkungen auf Aufgaben, Zusammenarbeit und Entscheidungsprozesse. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Führungskräfte diesen Wandel aktiv gestalten und welche Veränderungen sich daraus für ihre Rolle ergeben.
Eine ergänzende Perspektive bot das Konzept eines Personal OS: eines persönlichen, KI-gestützten Arbeits- und Wissenssystems. Am Beispiel von Hermes Agent und Obsidian als „Second Brain“ wurde vorgestellt, wie sich persönliche Wissensbestände mit KI-Agenten verbinden lassen.
Damit rückte neben der Automatisierung von Prozessen auch die individuelle Arbeitsorganisation in den Blick: Wie können Informationen strukturiert verfügbar gemacht und KI-Anwendungen als kontinuierliche Unterstützung in die eigene Arbeit eingebunden werden?
KI-Werkstatt: Ausprobieren, entwickeln, Erfahrungen teilen
Nach den fachlichen Impulsen und Diskussionen des ersten Tages stand am zweiten Tag die praktische Anwendung im Mittelpunkt. In der KI-Werkstatt arbeiteten die Teilnehmenden in Gruppen an ausgewählten Fragestellungen, erprobten KI-Werkzeuge und entwickelten gemeinsam Lösungsansätze.
Begleitet durch das CP BAP-Team ging es darum, Ideen unmittelbar auszuprobieren, Ergebnisse zu überprüfen und Ansätze weiterzuentwickeln. Eine der vorgesehenen Möglichkeiten war der Aufbau eines eigenen Personal OS.
Die Themen der KI-Werkstatt reichten von den Voraussetzungen für einen wirksamen Einsatz von Microsoft 365 Copilot bis zu agentischer KI und Prozessautomatisierung. Beim Thema Copilot stand zunächst die Basis im Vordergrund: Wo sind Mitarbeitende in Microsoft 365 bereits sicher, wo bestehen noch Lücken? Ein Soll-Ist-Abgleich je Team kann Führungskräften helfen, Entwicklungsbedarfe gezielt zu identifizieren. Diskutiert wurde zudem, Copilot-Lizenzen nicht als Privileg zu vergeben, sondern mit einer konkreten Wertbeitrags-Vereinbarung zu verbinden.
Weitere Fragestellungen betrafen fortgeschrittene Workflows in Langdock und den Aufbau eines persönlichen „Second Brain“ mit Hermes Agent. Im Mittelpunkt stand dabei unter anderem die Frage, wie sich eigene Notizen mit einem KI-Agenten verbinden lassen, der Fragen im persönlichen Kontext beantwortet und aus Gesprächsnotizen Aufgaben ableitet. Damit verbunden war auch die Perspektive, Wissen beim altersbedingten Ausscheiden von Mitarbeitenden besser zu sichern.
Praktisch wurde außerdem erprobt, wie ein KI-Agent typische Bankaufgaben an einer fiktiven Musterbank bearbeitet und wie sich seine Ergebnisse kontrollieren lassen. Ergänzend beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Eckpunkten einer KI-Strategie für die eigene Bank und der Priorisierung von Anwendungsfällen nach Nutzen und Risiko. Weitere Themen waren die organisatorische Einführung des Data Integration Hub sowie die Automatisierung wiederkehrender Abläufe in Microsoft 365 mit Power Automate.
Was bleibt: KI-Einsatz wird zur Gestaltungsaufgabe
Das AI Camp 2026 griff eine Entwicklung auf, die für Genossenschaftsbanken zunehmend relevant wird: KI unterstützt nicht mehr nur einzelne Tätigkeiten. Mit Workflows, agentischen Systemen und persönlichen Wissensumgebungen entstehen neue Möglichkeiten, Arbeitsprozesse und Zusammenarbeit zu gestalten.
Aus den Diskussionen wurde deutlich, dass der Mehrwert von KI nicht allein von einzelnen Werkzeugen abhängt. Voraussetzung ist zunächst eine belastbare digitale Basis: Mitarbeitende müssen die vorhandenen Arbeitsumgebungen sicher nutzen können, bevor weiterführende KI-Funktionen ihr Potenzial entfalten. Zugleich verschiebt sich der Blick von einzelnen Prompts und Anwendungen hin zu vernetzten Workflows und Agenten, die mehrere Arbeitsschritte übernehmen.
Damit wird der KI-Einsatz stärker zur Gestaltungs- und Steuerungsaufgabe. Anwendungsfälle müssen nach Nutzen und Risiko priorisiert, Ergebnisse kontrolliert und organisatorische Voraussetzungen geschaffen werden. Gleichzeitig eröffnet KI neue Möglichkeiten, Wissen zu strukturieren und langfristig verfügbar zu halten. Für Genossenschaftsbanken kommt es damit zunehmend darauf an, Kompetenzen, Prozesse und strategische Leitplanken zusammenzudenken.
Der Austausch zwischen den Teilnehmenden und die gemeinsame praktische Arbeit bildeten dabei den verbindenden Rahmen. Das AI Camp bot die Gelegenheit, unterschiedliche Erfahrungen zusammenzuführen, neue Ansätze unmittelbar zu erproben und ihre Übertragbarkeit auf den eigenen Bankalltag zu diskutieren.
Ausblick: AI Camp 2027
Der fachliche Austausch und die gemeinsame Arbeit an konkreten KI-Anwendungen werden fortgesetzt: Das nächste AI Camp by CP BAP findet am 16. und 17. Juni 2027 statt.
Merken Sie sich den Termin bereits jetzt vor. Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung folgen.